103 198-8  Anlieferung 08.03.72  z 01.02.92  + 30.03.93  / verschrottet 11.93, schwerst verunglĂŒckt in Neuwied am 04.08.92. LKW stĂŒrzte auf IC “Rheinfels”.

Leitplanke der BahnĂŒberfĂŒhrung in Fahr durchbrochen und von Zug zermalmt

Sattelschlepper stĂŒrtzte auf Intercity

Lkw-Fahrer starb an UnglĂŒcksstelle - Drei Bahnbedienstete und ein Reisender erlitten schwere Verletzungen

FAHR. JUN. „Ich spĂŒrte einen Schlag, und dann flogen auch schon in einer Staubwolke die TrĂŒmmer an den Fenstern vorbei.“ Der ZugfĂŒhrer des Intercity „Rheinfels“ schildert die Sekunden unmittelbar nach dem Aufprall des Sattelschleppers, der gestern gegen 8.45 Uhr in Fahrt von der BahnĂŒberfĂŒhrung auf einen vorbeifahrenden IC stĂŒrzte.

Der Lkw hatte aus Leutesdorf kommend die Leitplanke durchbrochen und schlug etwa drei Meter tie­fer auf die Lokomotive des IC, der den Lastwagen 100 Meter weit mitschleifte. Zirka drei Stunden spĂ€ter zog die Einsatzleitung vor Ort eine erste Bilanz: Der Fahrer des Lastwagens wurde aus dem FĂŒhrerhaus ge­schleudert und starb an der Un­glĂŒcksstelle. Außerdem gab es drei schwerverletzte Bahnbedienstete, darunter der 4l jĂ€hrige LokomotivfĂŒhrer, und einen schwerverletzten Fahrgast in dem ersten Waggon zu beklagen. Ein weiterer Passagier wurde leicht verletzt. Der genaue Hergang des Gesche­hens und die UnglĂŒcksursache konnten gestern noch nicht ermittelt werden. Wie ein Polizeisprecher erklĂ€rte, deutet aber einiges auf erhöhte Geschwindigkeit des Lkw. Technischer Defekt ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. Beladen war der Lkw mit Wasch­mittelzusatz, der nach Polizeiangaben allerdings kein Gefahrengut ist. Das entlang des Zuges auf einer Strecke von mehr als 100 Metern verstreute Pulver wurde aufgesaugt. Experten betonten, es bestehe keine Gefahr fĂŒr die Umwelt. Ob es Schicksal war?“ Der ZugfĂŒhrer schĂŒttelte den Kopf, als er daran dachte, daß der 10 von Karlsruhe nach Braunschweig gestern wegen einer Betriebsstörung auf der linksrheinischen Strecke ausnahmsweise ĂŒber Neuwied geleitet wurde. Panik unter den 170 FahrgĂ€sten habe es nicht gegegeben. ‚Einige weinten. Die meisten reagierten jedoch ĂŒberraschend besonnen. Es ging ja auch alles viel zu schnell“, beschrieb eine Zugbegleiterin die Situation in den Waggons. Ihre Kollegin fuhr erst seit einer Woche in dem Intercity mit. ‚Und dann gleich so ein UnglĂŒck“.Zwei Passagiere waren noch vor dem Eintreffen der Rettungsmannschaften zur Lokomotive geeilt, um zu helfen. Sie war - auch dies ist eine Ausnahme - mit drei Personen besetzt. Wegen Störungen in der Lok mußte sie auf dem Neuwieder Bahnhof vorĂŒbergehend anhalten. Dort stiegen zwei Bahnmitarbeiter als VerstĂ€rkung zu.Anlieger sprachen von einem ‚dumpfen Knall“, der sie aufge­schreckt hatte. Der Bewohner eines unmittelbar an der UnglĂŒcksstelle liegenden Hauses spĂŒrte „die Erde zittern“. Immer wieder waren Klagen zu hören, daß dies eine besonders gefĂ€hrliche Stelle an der Bundesstraße 42 sei. ‚In dieser Kurve mußte „mal was passieren“, meinte eine Anwohnerin. Als die Polizei und die Rettungsmannschaften -  mehrere LöschzĂŒge der Feuerwehr, NotĂ€rzte, Krankenwagen und Hubschrauber - eintrafen war das Außmaß des Un­glĂŒcks noch nicht abzusehen. Es kursierten gleich mehrere GerĂŒchte ĂŒber die Zahl der Opfer. Erst nach einer Stunde wurde der tote Lkw-Fahrer in den TrĂŒmmern entdeckt. Gegen 10.30 Uhr bahnte sich der Leichenwagen einen Weg durch die Schaulustigen. BefĂŒrchtungen, daß sich weitere Tote in dem zertrĂŒmmerten ersten Waggon befanden, be­stĂ€tigten sich nicht. Geleitet wurde der Einsatz yon der Neuwieder Feuerwehr. Der 1. Kreisbeigeordnete Rainer Kaul und auch OberbĂŒrgermeister Manfred Scherrer lobten die Wehr und die gute Zusammenarbeit mit den Rettungsmannschaften. Kaul war wĂ€hrend der Bergungsarbeiten vor Ort. Scherrer wurde in einer Stadtvor­standssitzung stĂ€ndig unterrichtet und eilte spĂ€ter ebenfalls an die Bahnstrecke. Die FahrgĂ€ste waren zu dem Zeitpunkt bereits in Busse eingestiegen, die sie nach Koblenz und Bonn brachten. AuffĂ€llig ruhig machten sich die meisten mit ihren Koffern auf den Weg.

Folgender Zeitungsartikel wurden Aufgrund schnellerer VerfĂŒgbarkeit elektronisch bearbeitet.

Foto und Artikel aus der Rhein Zeitung vom 05.08.92

Die Zeitungsartikel wurden mir freundlicherweise von der Rhein Zeitung, August Horch Str. 28, 56070 Koblenz zur VerfĂŒgung gestellt.

Einfahrt von IC 572 Deichgraf in den Frankfurter Hbf

Hier noch drei Bilder vor dem Unfall von 1989.

103 198 und EC Wörthersee in Augsburg Hbf

Anmerkung 103 198:

War Ausstellunglok im Jahre 1972 in Wuppertal Steinbeck. Im Jahre 1982 hatte 103 198 schon einmal fremdkontakt mit einem Straßenfahrzeug, etwa 80 Kilometer sĂŒdlich von Neuwied auf der linken Rheinseite vor Ingelheim. Am 01.03.1982  stieß auf der Strecke Mainz - Bingen (ex KBS 600) der IC 518 “Patrizier” (MĂŒnchen-Hamburg Altona), bespannt mit der 103 198 des Bw Hamburg-Eidelstedt, mit einem auf die Gleise gestĂŒrzten Auto zusammen, dessen Fahrer ums Leben kam. Dies fĂŒhrte auf dieser stark befahrenen Strecke zu erheblichen VerspĂ€tungen. Die Zuglok wurde dabei leicht beschĂ€digt. Der Zug wurde von der 212 123-4 des Bw Kaiserslautern abgeschleppt und lief ab Ingelheim bis BingerbrĂŒck als Bummelzug mit Halt auf allen Stationen.

 

Ein UnglĂŒck kommt selten allein!

“Aufgrund eines Fremdeingriffes in den Betriebsablauf” (so der Originalton der VerspĂ€tungsmeldungen in den Bahnhöfen) brach am Vormittag des 4. August der Verkehr auf den beiden Rheinstrecken zwischen Köln und Koblenz zusammen. Und das kam so:

Gegen 4.10 Uhr riß die Zuglok des D 214 (“Bayern-Nachtexpress“) zwischen den Bahnhöfen Bad Breisig und Sinzig (Rhein) Teile der Fahrleitungsanlage herunter. In der Folge wurde der gesamte Fernverkehr zwischen Koblenz und Köln ĂŒber die rechte Rheinstrecke umgeleitet. Nur vier Stunden spĂ€ter kam gegen 8.30 Uhr ein Sattelschlepper auf einer BrĂŒcke ĂŒber die KBS 465 bei Neuwied infolge ĂŒberhöhter Geschwindigkeit vom rechten Weg ab und raste zwischen Zuglok und ersten Wagen des auf dem Weg von Karlsruhe nach Braunschweig mit geringer VerspĂ€tung fahrenden IC 508 “Rheinfels“. Der LKW-Fahrer kam bei diesem Unfall ums Leben, von den 170 Personen im IC 508 wurden vier, darunter die beiden LokfĂŒhrer leicht verletzt. Die Zuglok des IC, die neurot lackierte 103 198, wurde im Bereich des FĂŒhrerstandes und des angrenzenden Maschinenraumbereiches total zerstört, eine Wiederaufarbeitung ist jedoch nicht ausgeschlossen.  Quelle: Lok Report, MĂŒnster, Ausgabe 10. 92.

1989 in Kissing