103 125-1 Anlieferung 27.10.70 + 24.09.81 / zerlegt in Tauberfeld - verschrottet im AW Opladen, verunglückte am 06.03.81 in Tauberfeld als sich die zu Überholende 150 100 zu früh in Bewegung setzte und die mit 130 km/h durchfahrende 103 125 rammte.

Am Freitag den 06.03.81 um 19.15 Uhr verunglückte 103 125 des Bw Frankfurt 1 vor E 3238 (München - Nürnberg) im Ausfahrbereich des Bahnhofs von Tauberfeld (zwischen Ingolstadt Nord und Eichstätt). Die 150 100 (Bw Bebra) die auf dem Nebengleis auf die Überholung des Eilzugs wartete, setzte sich zu früh in Bewegung und geriet auf das Hauptgleis, wobei die Güterzuglok die durch- fahrende 103 125 rammte. Beide Lokomotiven wurden in entgegengesetzter Richtung vom Bahnkörper geschleudert. Dabei riß die 103 drei der fünf Wagen des Eilzuges mit, die den etwa 10 m hohen Bahndamm hinunterstürzten. Der Lokführer des Güterzuges das Hp1 zeigende Signal des Hauptgleises irrtümlich für das Ausfahrsignal seines Nebengleises gehalten und seinen Dg 78124 in Bewegung gesetzt. Dabei zeigte das in sechs Meter Entfernung vom Hauptgleis-Signal stehende Signal des Nebengleises deutlich Hp 00. Beim Überfahren des Signal sprach die Indusi zwar an, doch setzte ihre Wirkung zu spät ein, so daß die 150 100 doch auf das Hauptgleis geriet. - 103 125 wurde zum 07.03.81 z-gestellt, die Lok wurde vor Ort zerlegt und nach Opladen überstellt, brauchbare Teile (Fahrmotoren, Drehgestelle und Trafo) dienten den Serienmaschinen als Ersatzteile.

Artikel aus dem Donaukurier zum Zugunglück von Tauberfeld, Ausgabe 07/08.03.81

                                                                               Sechs Schwerverletzte bei Zugunglück

Eilzug fuhr bei Tauberfeld in Güterzug / Zahlreiche leichter Verletzte

Großes Aufgebot an Rettungsmannschaften / Genaue Ursache nicht bekannt

 T a u b e r f e l d (je) Gestern abend um 19.10 Uhr fuhr kurz hinter dem Bahnhof Tauberfeld (Gemeinde Buxheim Landkreis Eichstätt) ein Eilzug einem ebenfalls in Richtung Eichstätt fahrenden Güterzug in die Flanke. Nach dem ersten Überblick der Deutschen Bundesbahn am späten Abend wurden bei dem Eisenbahnunglück 6 Personen schwer und 15 leicht verletzt.    

Unter den Verletzten befindet sich auch Bahnpersonal. Umfangreiche Rettungsmaßnahmen wurden schnell eingeleitet: Notdienste aus Eichstätt, Ingolstadt, Kösching und Neuburg wurden an die Unglücksstelle beordert. Sie brachten die Verletzten nach der ersten Versorgung durch den Eichstätter Notarzt und Sanitäter in die Krankenhäuser von Eichstätt. Ingolstadt und Kösching. Nach kurzer Zeit war ein Rettungshubschrauber der Bundeswehr mit einem weiteren Notarzt eingetroffen.

Morast erschwerte die Zufahrt für die Einsatzfahrzeuge. Die Lokomotive des Eilzuges war den rund 20 Meter hohen und sehr steilen Bahndamm hinabgestürzt und total beschädigt. Mehrere Waggons kippten ebenfalls ab, blieben aber zum Glück noch auf dem Damm hängen. Über einem Viadukt schwebte noch ein Gepäckwagen. Auf der anderen Seite der Strecke war ein Güterwaggon abgestürzt. Das Fahrgestell einer Lokomotive hatte sich tief in den Schlamm eingegraben. Die Sanitäter und Feuerwehrleute aus der ganzen Umgebung und über den Landkreis hinaus bemühten sich um die Reisenden. Sie halfen den Insassen des Zuges aus den Waggons und führten sie die Böschung zu den Sanitätswagen hinunter. Unter den Reisenden war eine schwangere Frau, die aber unverletzt blieb.

Feuerwehrleute und Sanitäter suchten gründlich alle Waggons durch und versuchten, auch unter die Wagen zu leuchten, um eventuell auch weitere verletzte zu finden. Die Bereitschaftspolizei Eichstätt und die Feuerwehren hatten große Scheinwerferanlagen aufgebaut, die die Unglücksstelle beleuchteten. Schaulustige waren in großen Scharen zum Unfallort geeilt.

Wie es zu dem Unglück auf der Strecke von Ingolstadt nach Treuchtlingen kam, konnte gestern die Bahn noch nicht beantworten. Experten bemühten sich sofort um die Klärung der Ursache. Beamte, die im Bahnhof Dienst gemacht hatten wurden sofort abgelöst. Auf der Streckenanlage selbst gab es ebenfalls verheerende Verwüstungen. Die Schienen waren teilweise herausgerissen, Strommasten geknickt und Leitungen zerrissen. Noch in der Nacht. begann die Bundesbahn mit Aufräumungsarbeiten. Wann die Strecke München—Nürnberg wieder für den Schienenverkehr freigegeben werden kann. konnte gestern nacht niemand beantworten. Die Bahnreisenden, die Unverletzt geblieben waren, wurden mit Bussen weitertransportiert.

 Artikel aus dem Donaukurier zum Zugunglück von Tauberfeld, Ausgabe 09.03.81

 

Reisende schildern das Zugunglück bei Tauberfeld:

 Nach dem fürchterlichen Knall war`s stockdunkel

Menschen und Gepackstücke wurden durch die Waggons geschleudert / Rettungsdienst funktionierte optimal

Ingolstadt / Eichstätt (DK) „Es gab einen fürchterlichen Knall, Fensterscheiben zerbarsten, der Waggon fing an wild hin und her zu schaukeln, es war mit einem Schlag stockdunkel und die Reisenden stürzten zu Boden.” So haben die Fahrgäste im Eilzug 3238 München—Nürnberg das schreckliche Unglück von Tauberfeld am Freitag abend  in Erinnerung. Nach den ersten Schock, aber auch einer insgeheimen Erleichterung, überhaupt noch am Leben zu sein, griff erneut Angst um sich. Sie galt einem möglichen Stromschlag durch die Fahrleitung, obwohl diese Gefahr gar nicht bestand. „Nur nichts anrühren“, riefen sich die Verunglückten immer wieder zu.

Eine Frau aus Eichstätt, die das Geschehen in den ersten Minuten nach dem Zusammenstoß zwischen dem Eilzugund dem Güterzug schildert, kam noch verhältnismäßig glimpflich davon. Zwei mitreisende Männer, die unverletzt ge­blieben waren, fingen sie auf, als sie aus dem deformierten Waggon sprang. Die Hausfrau hatte trotz der Aufregung sogar noch Zeit gefunden ihre Taschen zusammenzusuchen. Dies war aber mehr eine Reflexbewegung denn überlegte Handlung. Dieter R. aus Ochsenfeld saß in Fahrtrichtung im dritten Waggon des Eilzuges. Er wurde auf den leeren Sitz gegenüber geschleudert und erlitt Prellungen im Gesicht. Der Aufprall sei mit großer Wucht erfolgt, schildert der Bedienstete der Bundesbahn, der sich nach Feierabend auf der Heimfahrt befand. Er kletterte hinaus und rannte zurück zum Bahnhof Tauberfeld, um Hilfe zu holen. Dort hatte man inzwischen auch bereits bemerkt, daß etwas Fürchterliches geschehen war. Der dritte Augenzeuge, Friedrich R, ein Kellner der bundesbahneigenen Schlafwagengesellschaft, liegt zur Zeit noch - wie insgesamt sieben weitere Verletzte — im Krankenhaus Eichstätt. Er brach sich einen Halswirbel „Halt dich fest“, konnte der Weißenburger gerade noch einer Frau zurufen, als es plötzlich laut krachte. Dann lag der Kellner auch schon auf dem Boden, ebenso die Frau nebenan. Gepäckstiicke flogen durch die Luft. Beide Reisenden wurden von den „Geschossen” getroffen, die Frau erlitt einen Beckenbruch. Voll des Lobes sind im übrigen alle Insassen - knapp 40 überwiegend aus dem Eichstätter Raum - über die rasche und umfassende Hilfe durch die Rettungsmannschaften, seien es nun Sanitäter, Polizisten, Feuerwehrleute oder Eisenbahner selber. Dies bestätigte auch Landrat Konrad Regler bei einer Pressekonferenz am Samstagvormittag am Unglücksort mit allem Nachdruck.                                                                                               

Die Alamierung klappte ohne eine Sekunde Verzug: 19.17 Uhr Verständigung der Einsatzzentrale der Polizei in Ingolstadt. 19.20 Uhr Alarm an alle erforderlichen Hilfsorganisationen, um 19.24 Uhr sind die ersten beiden Notärzte an der Unglücksstelle, um 20.07 Uhr trifft der SAR-Rettungshubschrauber, der in Manching stationiert ist, ein. Die 26 Verletzten werden rasch geborgen und kommen in Krankenhäuser nach Eichstätt, Ingolstadt, Kösching und in die Klinik Dr. Maul. Der Lokführer des Eilzuges aus Baar bei Ingolstadt wurde von der Feuerwehr mit der Rettungsschere aus den Trümmern befreit und ins Krankenhaus Ingolstadt gebracht. Dort erlag er am Sonntag seinen schweren Verletzungen.

Insgesamt waren 23 Sanitätsfahrzeuge, acht Feuerwehren aus der Umgebung, das Technische Hilfswerk und zahlreiche Polizisten im Einsatz. Gegen 22.30 Uhr wurde vom Roten Kreuz eine Feldküche aufgebaut, denn die Arbeiten gingen im Licht von starken Scheinwerfern die ganze Nacht über weiter. Während Polizeikräfte den Unglücksort vor Schaulustigen abriegeln und Straßen für den Transport der Verletzten freihalten machen sich auch bereits Eisenbahner ans Werk, den Sachschaden zu beheben. Staatsanwaltschaft und Kriminalbeamte sind bemüht, Sachbeweise sicherzustellen und den Unfallhergang zu rekonstruieren. Erst am Samstagvormittag bei Tageslicht ist das ganze Ausmaß des Unglücks im wahrsten Sinne des Wortes zu überblicken, die Hektik und Erregung der ersten Stunden klingt allmählich ab. Im Bahnhof Ingolstadt kämpft man unterdessen mit dem Problem, wie der Reiseverkehr aufrechterhalten werden kann. Es wird organisiert und improvisiert. Private Busunternehmer werden „dienstverpflichtet“, auch Taxen bringen Intercity-Reisende zu Anschlussbahnhöfen. Es kommt - erstaunlicherweise - fast zu keinen nennenswerten Verzögerungen oder Ausfällen. Selbst Bundesbahnbeamte in leitender Position sieht man immer wieder am Steuer eines Kleinbusses oder Transporters. Sie bringen Fachleute und Arbeiter nach Tauberfeld und holen andere, erschöpfte Eisenbahner mit rotgeränderten Augen vom Nachteinsatz zurück.

Folgende Zeitungsartikel wurden Aufgrund schnellerer Verfügbarkeit elektronisch bearbeitet:

Am 25.03.72 konnte die später verunglückte 103 125 am ex Hp Augsburg- Spickel mit dem damals täglich verkehrenden D 1410 “Christopherus Express” (München Ost 15.51 Uhr - Düsseldorf an 22.55 Uhr) festgehalten werden.

Unfallhergang:

Am 06.03.1981 rollten kurz vor 19 Uhr von Treuchtlingen Richtung München Dg 47949 mit einem in Würzburg beheimateten Lokführer, in der Gegenrichtung mit einem Münchner Lokführer, Dg 78124 an. Damit beide Lokführer zu Hause übernachten konnten, war es üblich auf kleinen Bahnhöfen den Zug zu wechseln. Beide Triebfahrzeugführer wurden per Zugbahnfunk über den bevorstehenden Zugwechsel in Tauberfeld unterrichtet. Um ca. 19.01 lief Dg 78124 (von Ingolstadt kommend) auf Gleis 2 ein, in Tauberfeld das Überholgleis (Mittelgleis, Gleis 2). Gegen 19.05 traf nun auch der Dg 47949 aus Richtung Treuchtlingen auf Gleis 3 ein. Um 19.06 fuhr der Durchgangsgüterzug 47949 Richtung Ingolstadt mit “Fahrt frei”  zeigendes Ausfahrtsignal ab. Eine Minute später setzte sich auch Dg 78124 wieder in Bewebung (“Halt” zeigendes Ausfahrtsignal“), wie ein Gutachter später vermutete, hatte der Lokführer das “Fahrt frei” zeigende Signalbild des Zuges, mit dem er gekommen war im Kopf. Dieser hatte es offenbar eilig und fuhr so scharf an, das die Triebräder heftig schleuderten, wie im Indusistreifen deutlich nachgewiesen werden konnte. Die Indusi wurde zwar noch wirksam, konnte den Zug aber erst nach der Zwangsbremsung (bei 26,5 Km/h und nach 80-85m) auf der Weiche zum Durchgangsgleis 1 zum stehen bringen. E 3238 (München-Nürnberg) mit 5 Wagen und Zuglok 103 125-1 passierte den 7,5 km vor Tauberfeld liegenden Bf Gaimersheim eine Minuten vor Plan gegen 19.06 Uhr und näherte sich mit 130 Km/h (zulässig 135 km/h) dem Bf  Tauberfeld. Der Lokführer erkannte die in seinem Fahrweg außerhalb der Bahnhofsbeleuchtung stehende Ellok (150 100-6) mit

dessen Güterzug erst auf kurze Distanz. Er leitete zwar noch eine Bremsung ein, die aber nicht mehr wirksam wurde. Um 19.10 schleuderte die 103 125 den vordersten Güterwagen des Dg 78124 und danach die schwere Güterzuglok aufs Gegengleis. Die 103 125 flog beim Aufprall nach rechts aus dem Gleis und stürzte die über 10 m hohe Böschung hinunter auf eine Wiese.  Wagen 1, ein gemischter Sitz- und Gepäckwagen, wurde von 103 125 vor dem Kupplungsbruch noch herumgerissen und vom nachdrückenden Zugverband bis hinter einer Wegeunterführung geschoben. Beim Stillstand lag Wagen 1 umgekippt seitlich der Böschung, mit dem hinteren Teil in Fahrtrichtung, mit dem vorderen in die Unterführung hineinragend. Der 2. Wagen hing schräg oberhalb der Wegeunterführung; dahinter standen die Wagen 3 und 4 an der Böschung, die aber nicht umstürzten. Der letzte Wagen engleiste neben der umgekippten Lok des Güterzugs. Der Triebfahrzeugführer der 103 125 starb am 08.03.81 an den Folgen seiner Verletzungen. Neun Zugreisende, darunter der Verladeschaffner, wurden schwer, 16 leichter verletzt. Die Verletztenliste der Kripo umfasst 32 Namen, einschließlich Fahrdienstleiter und Lokführer der 150 100, die beide einen Schock erlitten mit 14tägiger Erkrankung. Der Umstand das ein großteil der Fahrgäste bereits in Ingolstadt den Zug verlassen hatten, konnte eine noch höhere Opferzahl mindern. Nach Angaben der Bahnpolizei waren etwa 50 Reisende zum Unglückszeitpunkt im Zug. Der Sachschaden wurde auf etwa 5,9 Mio. DM beziffert.

 

Diese Zeitungsartikel (elektronisch bearbeitet) wurden mir freundlicherweise vom Donaukurier Ingolstadt. Staufenbergstr.2a, 85051 Ingolstadt zur Verfügung gestellt.